Bei der Betrachtung des Kung Fu muß zunächst beachtet werden, daß der Name selbst, der übersetzt „schwere/harte Arbeit“ bedeutet, für den „Export“ bestimmt ist und in den Ursprungsländern kaum genutzt wird.

Dennoch ist er hierzulande und in den meisten dieser „Exportländer“ die gängigste Bezeichnung für chinesische Boxmethoden. In der Volksrepublik China, Formosa und Hong Kong, wo die Kampfkünste als Kulturgut gelten und historische Wurzeln haben, zieht man andere Begriffe vor. Darunter finden sich zum Beispiel „Ch’uan Shu“ bzw. „Quanshu“ („die Kunst des Faustkampfes“), „Chung Ko Ch’uan“ („der ursprüngliche chinesische Faustkampf“), „Chi Chi“ bzw. „Jiji“ („die Kunst, geschickt zuzuschlagen“) oder „Kuo Shu“ (in der Volksrepublik: „der Nationalsport“).

Was die Methoden des chinesischen Boxens äußerlich und technisch charakterisiert, läßt sich nicht verbindlich erfassen, denn jede einzelne der ungezählten Stilrichtungen setzt nicht nur eigene Schwerpunkte, sondern baut bisweilen auf unterschiedlichen Grundlagen auf. So lassen sich in den verschiedenen Systemen Karate- oder Taekwondo-ähnliche Schlag- und Tritttechniken ebenso finden wie Hebel oder Würfe, die an Jiu-Jitsu und Aikido erinnern, oder Meditationsübungen, die an indisches Yoga denken lassen. Hinzu kommt eine unüberschaubare Anzahl spezifischer Techniken und Methoden, die auf Tierbewegungen, spezieller Energienutzung und Anwendung esoterischer Praktiken beruhen. Keine dieser Komponenten ist für die Stile obligatorisch, und die Prioritäten und Intensitätsverteilungen unterliegen bei jedem System individuellen Maßstäben.

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