Der Schauplatz der frühesten Entwicklungsphase des heutigen Karate wie auch vieler anderer Kampfkünste war das alte China, das schon seit dem 12. vorchristlichen Jahrhundert komplexe Kampfsysteme hervorbrachte.

1. China

ImageDer Schauplatz der frühesten Entwicklungsphase des heutigen Karate wie auch vieler anderer Kampfkünste war das alte China, das schon seit dem 12. vorchristlichen Jahrhundert komplexe Kampfsysteme hervorbrachte. Die meisten von ihnen basierten auf traditionellen Methoden des Kräftemessens oder überlieferten Ritualen, in denen man Kämpfe simuliert hatte. Einige dieser Stile stützten sich auf alte Religionen und enthielten esoterisches Gedankengut. Doch erst als die militärischen Interessen der Menschen um die Zeitwende bestimmende Formen annahmen, gewannen auch die Kampfsysteme an wesentlicher Bedeutung und weitausgedehnter Popularität. Eigens für die Ausbildung von Soldaten wurden Stilrichtungen kreiert, die in den zahlreichen militärischen Konflikten jener und der folgenden zur Anwendung kamen.

In den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung kam es in diesen Kampfkünsten zu einschneidenden Wandlungen. Mittlerweile hatten sich viele nicht nur militärisch orientierte Schulen im ganzen Land etabliert und lehrten die Kampfmethoden unter dem Namen „Quanshu“ oder „Quanfa“ (auch Ch’uan-Shu, Ch’uan-Fa). In dieser Zeit wurden erstmals bewußt Elemente in die Systeme aufgenommen, die in den meisten Fällen nicht in ihren Ursprüngen enthalten gewesen sind. Zu diesen bedeutenden Neuerungen gehörte die erstmalige Integration esoterischen, darunter taoistischen Gedankenguts sowie alter Gymnastik- und Therapiemethoden. Mit diesen Einflüssen gelangten auch Verfahren der Energienutzung und Übungsformen, die auf Tierbewegungen basierten, in die Stile und ergänzten die Kampftechniken.

Im Jahre 523 bereiste der indische Zen-Gelehrte Bodhidharma (Daruma, Ta Mo) das chinesische Kloster Shaolin in der Provinz Henan, um den Zen-Buddhismus zu verbreiten. Er war Meister der indischen Kampfkunst Vajramushti und unterrichtete die Shaolin-Mönche, um ihre Kondition zu stärken und sie bei guter Gesundheit zu halten. Seine Übungsformen wurden im Kloster weiterentwickelt und überliefert, und in den folgenden Jahrhunderten kam ihnen immer größere Bedeutung zu. Zum Einen hatten die sie mitsamt ihren Atem- und Meditationstechniken einen ergänzenden Effekt auf die Praxis des Zen, die Einheit von Körper und Geist verlangt. Zum Anderen war das Kloster bisweilen Opfer von Überfällen, und die Bewohner benutzten die in ihren Bewegungsformen enthaltenen Kampftechniken zur Verteidigung.

Die Blütezeit des Shaolin-Quanshu war im Laufe des 16. Jahrhunderts erreicht, als das Hauptkloster zerstört und die Bewohner im ganzen Land verstreut wurden. Zu dieser Zeit enthielt das komplexe System außer einer Fülle bewährter Kampfmethoden mittlerweile aus anderen Stilen importierte Techniken des Boxens, Ringens und Greifens sowie das Wissen um Taktik und Strategie des Kampfes. Nach der Zerstörung des Shaolin-Klosters lehrten die Mönche ihren Hauptstil an verschiedenen Orten und mit eigenen Schwerpunkten weiter, so daß neben den separat expandierenden Stilen außerhalb des Klosters die verschiedenen Interpretationen des Shaolin-Quanshu eine starke Präsenz entwickelten. In der folgenden Zeit vermischten sie sich mit den vorhandenen Quanshu-Systemen und bildeten eine reichhaltige Stillandschaft, welche die Basis für die Vielfalt des heutigen Kung Fu bildete.

Die Fülle der Systeme, die im Laufe dieser Entwicklung in China entstanden und auch die Formgebung anderer Kampfkünste maßgeblich beeinflußten, wird heute aus Gründen der Vereinfachung und Anschaulichkeit in zwei große Stilgruppen geteilt. Die sogenannten „äußeren“, harten oder „buddhistischen“ Stile umfassen alle Quanshu-Richtungen, deren Ursprung oder großer Einflußbereich im Shaolin-Boxen und den buddhistischen Methoden des Bodhidharma liegt. Dieser Teil umfaßt unzählige Einzelstile, die zusätzlich in „nördliche“ und „südliche“ Schulen untergliedert wird und in der Öffentlichkeit für die Idee des Kung Fu repräsentativer ist. Die zweite Gruppe bilden die „inneren“, auch „weichen“ oder „taoistischen“ Stile. Ihr geschichtlicher Ursprung ist nicht gesichert, denn obwohl sie erst nach der Blütezeit der buddhistischen Richtungen zu größerer Popularität gelangen, so hat es doch sehr ähnliche Formen noch vor dem Auftauchen der äußeren Schulen gegeben. Obwohl die große Vielfalt an Stilrichtungen und Formen im Quanshu verwirrend und kaum zu systematisieren ist, bietet die Einteilung in die genannten Stilgruppen eine akzeptable Lösung, um ein Mindestmaß an Übersichtlichkeit und Transparenz auch innerhalb der Geschichte anderer Kampfkünste zu bewahren.

2. Okinawa

Eine eigene Art des Kampfes hatte auf Okinawa seit frühester Zeit existiert. Die Techniken waren rein kämpferisch und wiesen weder esoterische, noch gesundheitlich-therapeutische oder besondere künstlerische Aspekte auf. Sie wurden „Te“ („Technik“) genannt und waren lange Zeit die einzige etablierte Form der Kampfkunst auf dem Archipel. Seit dem 7. Jahrhundert unserer Zeitrechnung hatte das kleine Inselreich Kontakt zu Japan und China, zahlte beiden Großmächten Tribut und profitierte von deren kulturellem Einfluß. So gelangten auch Formen des chinesischen Quanshu und des japanischen Bujutsu im Laufe der Jahrhunderte nach Okinawa, wurden dort in ihrer traditionellen Form und in verschiedenen Interpretationen gelehrt und beeinflußten auch das einheimische Te. Im 14. Jahrhundert wuchs nach einem internen Konflikt der Einfluß Chinas auf den Archipel entscheidend an, und der chinesische Kaiser entsandte die sogenannten „36 Familien“, die sich auf Okinawa niederließen und in führenden politischen, wissenschaftlichen und kulturellen Positionen die Entwicklung des vergleichsweise eher primitiven Landes vorantrieben. Ebenso gingen viele Okinawaner nach China und genossen dort eine exquisite Ausbildung auf verschiedenen Gebieten. In beiden Fällen des kulturellen Kontakts kam es bisweilen zu Zusammentreffen zwischen Kampfkunstmeistern, und vor allem die chinesischen Quanshu-Experten gaben ihre Kunst an viele Okinawaner weiter. Die Folge dieses Austausches war außer der erhofften Weiterentwicklung des okinawanischen Staatswesens eine Verehrung Chinas und alles Chinesischen auf dem Archipel. Die Kampfkunsteinflüsse aus dem Quanshu, die in reiner Form oder als Komponenten des Te immer populärer wurden, nannte man „To-De“, was soviel wie „Technik/Kunst aus China“ bedeutete.

Eine wesentliche Rolle in der Entwicklung der okinawanischen Kampfkunst spielten Waffenverbote, die von verschiedenen Zentralgewalten in der Geschichte des Inselreiches über dessen Bevölkerung verhängt wurden und die Entfaltung der waffenlosen Kampfsysteme maßgeblich anregten. Die ersten beiden Verfügungen traten um 1429 und 1477 in Kraft, als zwei okinawanische Herrscher aus Angst vor internen Übergriffen des Adels und Militärs das Tragen von Waffen und die Ausübung der Kriegskünste untersagten. Die Meister des To-De übten ihre Künste daraufhin im Geheimen weiter, ergänzten sie durch den Austausch untereinander und überlieferten sie an Schülergenerationen.

Ein drittes verhängnisvolles Waffenverbot wurde im Jahre 1609 erlassen, nachdem der Clan der japanischen Satsuma-Samurai Okinawa besetzte. Der Gewaltakt war ein machtpolitischer Schachzug japanischer Militärführer zur Beruhigung der nationalen Lage, die gerade einen internen kriegerischen Konflikt erlebt hatte, und er beendete jäh die Unabhängigkeit des Inselreiches. Die Satsuma erließen zahlreiche Gesetze, die das Leben der Okinawaner beschränkten und oft sogar bedrohten, darunter ein drastisches Verbot aller Waffen und Kampfkünste. Um sich vor der ständigen Gefahr zu schützen, entwickelten die einheimischen Meister des To-De und Quanshu ihre Kampfsysteme mit außergewöhnlichem Eifer weiter und vervollkommneten sie. Die Techniken wurden an den allgegenwärtigen Feind und dessen Methoden des Kampfes angepaßt und kamen oft zur Anwendung, wobei viele Samurai in einer Begegnung mit den gefährlichen Fähigkeiten der Okinawaner ihr Leben lassen mußten.

Bis ins 18. Jahrhundert hinein wurde das Volk von Okinawa von den Besetzern grausam unterdrückt, und die Kampfkunstexperten gingen organisiert gegen die Invasoren vor. Erst nach über 100 Jahren legten sich allmählich die Aggressionen, wenn auch nicht die Antipathien beider Seiten. Das To-De hatte in dieser Zeit ein hohes Niveau an Technik und Effizienz entwickelt und zeigte nur noch wenige Gemeinsamkeiten mit dem primitiven Kampfsystem der frühen Tage. Es etablierten sich im Laufe der Jahre auch andere Bezeichnungen für die populären und streng gehüteten Kampfmethoden. Sie wurden neben Te und To-De auch als „Kara-Te“ oder „Okinawa-Te“ bezeichnet. Während ersteres nur eine andere Lesart des Wortes „To-De“ war und weiterhin auf den chinesischen Ursprung verwies, dokumentierte der zweite Begriff die Kunst als einheimischen Charakters.

Durch die unterschiedliche Gewichtung zwischen Te- und Quanshu-Einflüssen und individuelle Eigenentwicklung der Meister waren im Laufe der Zeit zahlreiche Stile des Karate entstanden, die sich räumlich in den drei wichtigsten Städten Okinawas konzentrierten: Naha, Shuri und Tomari. Dabei faßt man die Stile aus Shuri und Tomari unter dem Begriff „Shorin-Ryu“ oder „äußere (harte) Schulen“ zusammen, während die Methoden aus Naha als „Shorei-Ryu“ oder „innere (weiche) Schulen“ bezeichnet werden. Das Shorin zeichnet sich dabei durch flüssige Technik und mehr Dynamik aus und soll auf die alten äußeren Schulen des chinesischen Quanshu zurückgehen. Das Shorei hingegen, auf den inneren Quanshu-Richtungen basierend, beinhaltet mehr stabile Stände und atembetonte Techniken. Diese Systematik ist – wie auch schon im Falle des alten Quanshu – nicht eindeutig und unumstritten, bietet jedoch eine anschauliche Möglichkeit zur Gliederung der Stilvielfalt und wird daher bis heute zu Klassifikationszwecken herangezogen.

Die Entstehung der okinawanischen Stile

Die Ursprünge des Shorin-Ryu gehen auf den Okinawaner Shungo Sakugawa (1733-1815) zurück, der in seinem späteren Leben als „Karate Sakugawa“ bekannt wurde. Er lernte ein System des Quanshu von Kushanku, einem der damals auf Okinawa lebenden chinesischen Gesandten. Sakugawa nannte seinen Stil „Shuri-Te“ („Technik aus Shuri“) und unterrichtete Sokon Matsumura, der dieser Karate-Richtung erstmals die Bezeichnung „Shorin-Ryu“ verlieh. Dieser Stilgruppe gesellte sich auch ein Meister aus Tomari, Kosaku Matsumora, hinzu, der ebenfalls von chinesischen Experten und zusätzlich einem Schüler Sakugawas gelernt hatte und seinen Stil schließlich „Tomari-Te“ nannte. So bilden das Tomari-Te von Matsumora und das Shuri-Te von Matsumura die beiden großen Teilgruppen des Shorin-Ryu, dessen Entwicklung bis heute zahlreiche große Stile und Meister hervorgebracht hat.

Etwa zur gleichen Zeit entstand in der Stadt Naha die Basis für die Schulen des Shorei-Ryu, die neben dem Shorin als zweite große Stilgruppe des Karate gilt. Kanryo Higashionna (1853-1916) lernte Quanshu von zwei verschiedenen chinesischen Meistern und verband ihre Konzepte mit eigenen Ideen zu einem Stil, der als „Naha-Te“ und später als „Shorei-Ryu“ bekannt wurde. Auch dieser Grundstil war der Ursprung bedeutender Karatesysteme, deren Konzepte in einigen der heutigen Stilrichtungen weiterleben.

Publikation

Von Beginn der Satsuma-Invasion bis ins 20. Jahrhundert hinein war Karate eine populäre und bisweilen legendäre Kampfkunst, deren Ausübende und Methoden unbekannt blieben. Die geheime Lehre wurde von den Meistern nur innerhalb der Familie oder an engste Vertraute weitergegeben, und so war sie weder für den Großteil des okinawanischen Volkes, noch für die Besatzer zugänglich. Durch die Satsuma gelangte der Ruf über das Karate bis nach Japan, wo er auf großes Interesse stieß. Doch trotz stetiger Bemühungen der Japaner, das Geheimnis um die gegen sie gerichtete Kampfmethode zu lüften, wurde ihnen dieses erst nach dreihundert Jahren Besatzungszeit seitens der Okinawaner eröffnet.

Yasutsune Itosu, ein Schüler Matsumuras und Meister des Shorin-Ryu, hatte die Kata verschiedener Meister gelernt und systematisiert und machte es sich zur Aufgabe, das Karate dem okinawanischen Volk zugänglich zu machen. Er entfernte die gefährlichsten Techniken und betonte die gesundheitsfördernde Komponente in seinem Stil. Er setzte sich für die Veröffentlichung dieses Konzepts ein und erreichte 1908 die Einführung des Karate an okinawanischen Schulen. Obwohl sein Vorgehen von traditionell orientierten Meistern als Verrat angesehen wurde, machte Itosu damit den ersten Schritt zur folgenden weltweiten Verbreitung des Karate. Einige seiner zahlreichen Schüler verfolgten seine Idee weiter und nahmen sich die Verbreitung außerhalb Okinawas zum Ziel. Unter ihnen war Gichin Funakoshi, der außer Itosus Shorin-Ryu auch das Shuri-Te von Yasutsune Azato studiert hatte. Er ging 1921 nach Japan, um sein Karate-Konzept vorzustellen und zu unterrichten. Seine Bemühungen fanden großen Zuspruch, doch er mußte den Namen („Kunst aus China“) und die Begriffe für Techniken und Formen in japanische Bezeichnungen umändern, um Karate offiziell als japanische Kampfkunst auszuweisen und nur so legal unterrichten zu können. So gab er den überlieferten Kata neue, japanische Namen und benutzte für die Stilbezeichnung eine Schreibweise, die noch immer „Karate“ gelesen wurde, übersetzt jedoch „leere Hand“ bedeutete. Er begründete diesen Begriff zunächst mit dem waffenlosen Charakter seiner Kunst und interpretierte ihn später philosophisch, indem er die „Leere“ als Symbol für Selbstlosigkeit und Edelmut deutete.

3. Japan

In den zwanziger Jahren begann Funakoshi, das so modifizierte Karate in Japan zu unterrichten. Zunächst nur in einem unbeachteten Rahmen, lehrte er bald das an verschiedenen Universitäten und erfreute sich großen Respekts. Obwohl er an seinen traditionellen Übungsmethoden, vor allem der intensiven Kata-Wiederholung festhielt, mußte er im Laufe der Jahre sein Trainingskonzept widerstrebend verändern, um sich an die Mentalität seiner modernen japanischen Schüler anzupassen. So führte er einige neuartige Formen des Partnertrainings (Kumite) ein, weigerte sich jedoch, den Freikampf (Jiyu-Kumite) nach dem Vorbild von Judo oder Kendo zu gestatten. Als sich Funakoshi 1938 vom aktiven Unterrichten zurückzog und die Übungsgruppen seinem Sohn Yoshitaka und seinen anderen höchsten Schülern übertrug, gingen diese ebenfalls Kompromisse in den Trainingsformen ein und ließen eigene, innovative Ideen einfließen.

Ende der vierziger Jahre wurde das Training nach kriegsbedingter Unterbrechung an einigen Universitäten wieder aufgenommen, doch ohne die aktive Mitwirkung des mittlerweile über 80jährigen Funakoshi fanden seine Schüler keinen gemeinsamen Weg. Die Übungsleiter und Meister Shigeru Egami und Genshin Hironishi nahmen sich vor, das Karatesystem Funakoshis in seinem Sinne weiterzuführen und nannten ihre Stilrichtung „Shotokan“ nach dem Hauptdojo ihres Meisters. Den gleichen Namen verwendeten Schüler der zweiten Generation, darunter Masatoshi Nakayama und Hidetaka Nishiyama, für ein eigenes, modernes Stilkonzept, das die Verbreitung des Karate als Wettkampfsport anstrebte. 1949 organisierten sie ihr Shotokan in der „JKA“ („Japan Karate Association“) und begannen mit systematischer Öffentlichkeitsarbeit. Um sich von dieser kommerziellen Organisation und ihrem Karatekonzept zu distanzieren, änderte indessen die Schülergruppe um Shigeru Egami ihre Stilbezeichnung in „Shotokai“ und gründete ebenfalls einen Dachverband, der jedoch den Wettkampfgedanken wie jegliche Kommerzialisierung strikt ablehnte. Außer diesen beiden Organisationen sind bis heute viele Vereinigungen damit beschäftigt, in verschiedenen Maßen auf den Lehren Funakoshis basierende Stile weltweit zu verbreiten. Die meisten dieser Verbände unterrichten das moderne japanische Shotokan-Konzept und betreiben Karate als Wettkampfsport.

Außer Gichin Funakoshi fanden auch andere okinawanische Karatemeister ihren Weg nach Japan und suchten Möglichkeiten zur Verbreitung. 1928 kam Kenwa Mabuni, ein Schüler Itosus und Higashionnas, nach Japan und etablierte sein Karatekonzept, das einer Symbiose von Shorin- und Shorei-Elementen entsprach. Sein Stil erhielt den Namen „Shito-Ryu“, fand in folgender Zeit weitreichende Verbreitung und wird heute sowohl auf Okinawa wie auch in Japan zentral vertreten.

1933 bereiste der Okinawaner Chojun Miyagi die japanische Hauptinsel und unterrichtete ein System, das auf den Lehren seines Meisters Higashionna beruhte und „Goju-Ryu“ genannt wurde. Der Stil gelangte außer in Japan vor allem auf Hawaii und in den Vereinigten Staaten zu weiter Verbreitung und wird heute in Japan von Gogen Yamaguchi, auf Okinawa von Meitoku Higa vertreten.

Als letzter der vier großen japanischen Karatestile wurde 1939 das „Wado-Ryu“ von Hironori Otsuka, einem japanischen Schüler Funakoshis, begründet. Otsuka war Meister des Jiu-Jitsu und hatte unter Funakoshi und später Motobu das okinawanische Karate gelernt. Sein wettkampforientierter Stil ist heute nicht nur in Japan, sondern vor allem auch in Europa sehr bekannt und bildet mit Shotokan, Goju-Ryu und Shito-Ryu die vier ersten Karatesysteme, die in Japan Fuß fassen konnten und sich gleichzeitig zu den bedeutendsten modernen Stilen entwickelten.

4. Welt

Nach der erfolgreichen Verbreitung in Japan begannen viele Meister, ihre Stile zu organisieren und systematische Publikationspolitik zu betreiben. Da das Wettkampfkonzept eine aussichtsreiche Möglichkeit bot, den Systemen zu Popularität zu verhelfen, gelangten vor allem Formen des Sportkarate in die internationale Öffentlichkeit. Seine unterschiedlichen Stile des Karate sind heute weltweit bekannt, gewinnen stetig an Anhängerschaft und werden vielerorts als Sport und Selbstverteidigung geschätzt.

Über den Schriftsteller Jürgen Seydel fand das Karate 1957 auch seinen weg nach Deutschland, wo es organisiert vor allem als Wettkampfsport verbreitet wird.

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