Die älteste japanische Schrift über den Zweikampf, „Takanogawy“, weist bereits auf das Bestehen eines waffenlosen Kampfsystems um 70 v. Chr. hin.Dieses frühe System gilt als erster historisch gesicherter Vorläufer des heutigen Jiu-Jitsu. Weitere bekannte Stile kamen erst etwa 800 Jahre später als rituelle Kampftechniken auf und entwickelten sich erneut zu „profanen“ Formen des Zweikampfes. In folgender Zeit bestanden in Japan zwei Arten dieser Kampfkunst: das sogenannte Bu-Gi kam als Kriegskunst bei realen Kämpfen zur Anwendung, während das Kyo-Gi für Vorführungen und Wettkämpfe an kaiserlichen Höfen gebraucht wurde. Die Kampfsysteme jener Zeit beschränkten sich vor allem auf Griff- und Kontrolltechniken und verstärkten die Schlag- und Wurfelemente erst mit Beginn der späteren intensiven Beziehungen zum chinesischen Festland.

ImageDie älteste japanische Schrift über den Zweikampf, „Takanogawy“, weist bereits auf das Bestehen eines waffenlosen Kampfsystems um 70 v. Chr. hin.Dieses frühe System gilt als erster historisch gesicherter Vorläufer des heutigen Jiu-Jitsu. Weitere bekannte Stile kamen erst etwa 800 Jahre später als rituelle Kampftechniken auf und entwickelten sich erneut zu „profanen“ Formen des Zweikampfes. In folgender Zeit bestanden in Japan zwei Arten dieser Kampfkunst: das sogenannte Bu-Gi kam als Kriegskunst bei realen Kämpfen zur Anwendung, während das Kyo-Gi für Vorführungen und Wettkämpfe an kaiserlichen Höfen gebraucht wurde. Die Kampfsysteme jener Zeit beschränkten sich vor allem auf Griff- und Kontrolltechniken und verstärkten die Schlag- und Wurfelemente erst mit Beginn der späteren intensiven Beziehungen zum chinesischen Festland.

Eigenständige, voll entwickelte Stile des Jiu-Jitsu entstanden in Japan bereits seit dem 12. Jahrhundert, beeinflußten und bereicherten sich gegenseitig und brachten neue Systeme hervor. Besonders in der folgenden „Kamakura-Periode“ (1185-1336) entstanden komplexe Stile mit versierter Technik und reichem theoretischem Hintergrund. Eine auch für die Zukunft japanischer Kampfkunst entscheidende Schule war das Aiki-Jutsu von Shinra Saburo Yoshimitsu. Es basierte technisch vor allem auf Hebeln und Wurftechniken, betonte seine esoterischen Elemente und beeinflußte wesentlich das spätere Aikido.

Über die Geschichte der japanischen Kampfkünste ist aus der folgenden Zeit nur wenig Gesichertes überliefert, und Theorien um ihre Entwicklung stützen sich oft auf Spekulationen oder Legenden. Eine wahrscheinliche These besagt, im 17. Jahrhundert sei die Ritterkaste der japanischen Samurai bei ihrem Kaiser in Ungnade gefallen und mit dem Verbot ihrer Waffen bestraft worden. Sie lernten in folgender Zeit eine Kunst des waffenlosen Kampfes von Akiyama, einem Arzt aus Nagasaki. Er hatte in China die traditionelle Medizin und die dortige Kampfkunsttradition studiert und fügte den chinesischen Lehren ein Konzept hinzu, das den Berichten zufolge auf eigenen Erkenntnissen basierte. Es heißt, er habe eine Weide im Sturm beobachtet, die sich unter dem Druck beugte und danach wieder aufrichtete, und dadurch die Überzeugung gewonnen, daß ein Sieg durch Nachgeben errungen werden könne. Seine Idee ersetzte die Kraftkomponente des ursprünglich chinesischen Kampfsystems und ebnete den Weg zu einem zentralen Stilkonzept vieler Jiu-Jitsu-Schulen. Er nannte sein System fortan „Yoshin-Ryu“ („Weidenschule“) und unterrichtete darin auch die entwaffneten Samurai, deren Einfluß viele Techniken ergänzte und verfeinerte, so daß aus der chinesischen Kampfkunst ein neuer, effektiver und komplexer Stil wurde.

Die japanischen Kampfkünste, unter denen das Yoshin-Ryu einen wichtigen Platz eingenommen hatte, entwickelten sich in den folgenden Jahrzehnten weiter und gelangten zu einer gemeinsamen Blütezeit in Technik, Vielfalt und Popularität. Im späten 17. Jahrhundert gab es bereits etwa 700 individuelle Stilrichtungen der verschiedenen Jiu-Jitsu-Systeme. Zu den führenden Schulen dieser Zeit gehörten neben dem Yoshin-Ryu auch das Shin-No-Shindo-Ryu, das Kito-Ryu, das Jikishin-Ryu und das Tenshin-Shinyo- oder Yanagi-Ryu.

Yamamoto Tamizaemon fügte dabei zum Stilkonzept des Yoshin-Ryu eigene Techniken, allem voran Haltegriffe hinzu und schuf das Shin-No-Shindo-Ryu auf der Basis dieser Verknüpfung. Etwa ein Jahrhundert später wurden seine Ideen von Mataemon Iso, einem japanischen Samurai, aufgegriffen, und wiederum mit neuen Inhalten kombiniert. Das so entstandene Tenshin-Shinyo-Ryu (auch Yanagi-Ryu) war ein effektives und kraftbetontes Kampfsystem, das im 19. Jahrhundert bei kriegerischen Auseinandersetzungen eingesetzt wurde.

Die Schule des Kito-Ryu hingegen stützte ihr Konzept auf Elemente aus dem alten Aiki-Jutsu sowie auf Techniken des japanischen Schwertkampfes und betonte die Kontrolle des Geistes. Nach intensivem Studium dieses Stils wandelte Meister Kanemon Terada das komplexe System entsprechend eigener Ideen ab und entwickelte daraus das Jikishin-Ryu. Es war vorrangig für Erziehungszwecke gedacht und beinhaltete viele waffenlose Techniken, die der Stilgründer unter dem Begriff „Judo“ zusammenfaßte – eine Bezeichnung, die Kano etwa 200 Jahre später für seinen Kampfsport übernahm.

Nach dieser Blütezeit der waffenlosen Kampfkunst in Japan erlag das Land starkem westlichem Einfluß. Infolge der Meiji-Restauration (1868-1912) wurde dabei nicht nur die Herrschaft des Adels und der Samurai abgeschafft, sondern auch die einheimische Tradition in einem hohen Maß verdrängt. So sank auch die Popularität der japanischen Kampfstile, so daß sie am Ende des 19. Jahrhunderts vollends in Vergessenheit zu geraten drohten.

Im Sommer des Jahres 1876 reiste der deutsche Medizinprofessor Dr. Erwin Bälz nach Japan, um an der Universität in Tokio zu unterrichten. Zeitgleich begann er mit großem Interesse das Studium der fast untergegangenen japanischen Kampfsysteme und motivierte auch seine Studenten, sich der Kunst des Jiu-Jitsu zu widmen. Unter ihnen befand sich Jigoro Kano (28.10.1860 – 04.05.1938), der in den folgenden Jahren verschiedene Jiu-Jitsu-Stile erlernte, um sie schließlich zu einem eigenen Konzept zusammenzufügen. So studierte er unter anderem unter Fukuda das Tenshin-Shinyo-Ryu, das Jikishin-Ryu und unter Tsunetoshi das Kito-Ryu. Aus seiner Kombination dieser Systeme entfernte er anschließend die gefährlichen Techniken und systematisierte die effektivsten Methoden 1881 in einem Stil, den er Kodokan-Judo nannte. Seine moderne Interpretation der klassischen Kampfkunst betonte vor allem die pädagogische Komponente und wurde schon bald als Unterrichtsfach an japanischen Schulen eingeführt. In den folgenden Jahren gelangte Judo dank der Öffentlichkeitsarbeit Kanos und Bälz‘ zu weltweiter Beachtung und wird bis heute als Erziehungs- und Wettkampfsport parallel zum Jiu-Jitsu geschätzt.

ImageIn Deutschland begann die Verbreitung des klassischen Jiu-Jitsu durch Erich Rahn, der von japanischen Meistern gelernt hatte und zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Versuch unternahm, die Kunst in seiner Heimat zu etablieren. Trotz anfänglichen Schwierigkeiten und Ablehnung durch die Öffentlichkeit, gelang es ihm 1906, eine erste Jiu-Jitsu-Schule in Berlin zu eröffnen. Nach dem Krieg begann Rahn eine vielbeachtete Demonstrationsreihe durch Deutschland, in der er gegen verschiedene Herausforderer antrat und so dem Jiu-Jitsu zu deutschlandweiter Bekanntheit verhalf.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem anschließenden Verbot der Kampfkünste durch die Besatzungsmächte im Jahre 1944, begann erst in neuerer Zeit wieder ein beachtenswerter Aufschwung des Jiu-Jitsu in Deutschland. So entwickelte Horst Weiland 1970 ein neuartiges europäisches Jiu-Jitsu-Kampfsystem, das heute international einen vortrefflichen Ruf als Weg zu Selbstdisziplin, sportlichem Erfolg, pädagogischer Erziehung und effektiver Selbstverteidigung genießt.

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