Eine Auswahl bekannter Karate-Stile.

ASD-Karate Ein modernes europäisches Karatesystem, das 1980 von Horst Weiland entwickelt wurde. Der Hauptakzent dieses Stils liegt auf der realen Selbstverteidigung, jedoch werden auch Kata und Kampf gelehrt.
Goju-Ryu „Hart-weich“, das am meisten verbreitete System aus der Shorei-Schule. Chojun Miyagi, ein Schüler Higashionnas, gründete den Stil Ende der zwanziger Jahre auf Okinawa. 1933 wurde das Goju vom Butokukai auch als japanischer Karatestil anerkannt. Das System enthält verschiedene Kata, die für die beiden Elemente „hart“ (go) und „weich“ (ju) stehen und oftmals auf kraftvoller Atmung (Ibuki) basieren. Heute wird der Stil in drei Abteilungen vertreten: auf Okinawa durch Anichi Miyagi und Morio Higaonna, in Japan durch Gogen Yamaguchi und in den USA durch Peter Urban. Das Goju-Ryu zählt zu den vier großen modernen japanischen Karate-Richtungen.
Isshin-Ryu „Weg der vereinten Herzen“ – Dieser okinawanische Stil kombiniert Shorei- und Shorin-Prinzipien und wurde in den fünfziger Jahren von Tatsuo Shimabukuro gegründet. Er hatte das Sukunai Hayashi-Ryu unter Kyan, das Goju-Ryu unter Miyagi und verschiedene Kobudo-Formen unter Yabiku und Tairo studiert.
Kobayashi-Ryu „Kleine Waldschule“, ein Ableger der Itosu-Schule, der 1920 von Choshin Chibana gegründet wurde. Heutige Vertreter sind Yuchoku Higa, Katsuya Miyahara und Nakazato Shugoro.
Kyokushin-Kai Ein moderner japanischer Wettkampfstil von Masutatsu Oyama, einem Schüler Funakoshis (Shotokan) und Nei-Chu Sos (Goju-Ryu). Er gründete das System 1955 und kombinierte darin die Grundlagen und die Kata von Shotokan und Goju mit einem eigenen Kampfkonzept. Danach wird im Kyokushin mit vollem Kontakt ohne Schutzausrüstung gekämpft. Obwohl sich viele von Oyamas Schülern von seiner Organisation abwandten, ist das Kyokushin-Kai weltweit, vor allem auch in Europa, sehr verbreitet.
Matsubayashi-Ryu Shoshin Nagamine lernte unter Chibana, Taro Shimabukuru, Ankichi Aragaki und Chotoku Kyan, bevor er 1953 diesen klassischen Shorin-Stil gründete. Das System basiert auf 16 überlieferten und zwei neu hinzugefügten Kata, die kämpferische Grundlage legte Choki Motobu. Heute wird es im Hombu-Dojo in Naha von Shoshin und Takayoshi Nagamine vertreten und ist international vor allem in den USA verbreitet. Matsumura-Seito Um 1950 gegrünedeter klassischer okinawanischer Karatestil, der in direkter Linie auf Sokon Matsumura und dessen Shorin-Ryu zurückgeht. Seine Lehren wurden über Nabe Matsumura und den Stilgründer Hohan Soken an die heutigen Stilvorsteher Kise Fuji weitergegeben. Das Hombu-Dojo befindet sich heute in Chatan auf Okinawa und untersteht Kise Fuji, der den Stil „Kenshikan“ nennt.
Shito-Ryu Ein 1939 in Japan gegründeter traditionsbewußter Mischstil aus dem okinawanischen Shorin- und Shorei-Ryu, in dem Kenwa Mabuni die Lehren seiner beiden Meister, Higashionna und Itosu, vereinigte („Shito“ enthält Schriftzeichen aus den Namen beider Meister). Der Stil gehört zu den vier großen japanischen Karatesystemen und wird heute von vielen Schülern Mabunis in individuell interpretierten Varianten unterrichtet. So gründete Teruo Hayashi das Kenshin-Ryu (oder Hayashi-Ha Shito-Ryu), Ryusho Sakagami das Itosukai-Ryu, Yoshinao Nanbo das Nanbu-Do, Kanei Uechi das Shito-Ryu Kempo, Chojiro Tani dasTani-Ha Shito-Ryu (oder Shukokai), Shinpan Shiroma das Shiroma Shito-Ryu, Kosei Kokuba das Seishinkan-Ryu und Kensei Kaneshiro das Tozan-Ryu. Der Hauptstil wird vor allem von Mabunis Söhnen Kenei und Kenzo, in den USA durch Fumio Demura vertreten, wobei Kenei Mabuni dem international organisierten System vorsteht.
Shobayashi-Ryu Eine Weiterführung von Kyans Sukunai Hayashi-Ryu, die von Taro Shimabukuro vertreten wird. Der Stil ist heute außerdem als Shorin-Ryu (Eizo Shimabukuro) und als Ryukyu Shorin-Ryu (Seijin Inamine) verbreitet.
Shotokai Nach dem 2. Weltkrieg entstandenes System der 1. japanischen Schülergeneration Funakoshis unter Shigeru Egami und Genshin Hironishi, das sich auf die Lehren von Yoshitaka und Gichin Funakoshi beruft. Der organisierte Stil betreibt keine Öffentlichkeitsarbeit, lehnt den Wettkampfgedanken strikt ab und betont immer mehr esoterische Elemente, die von Egami selbst eingefügt wurden.
Shotokan Ursüprünglich die Bezeichnung für Funakoshis Dojo („Shoto“ = „Pinienrauschen“, Funakoshis Künstlername). Seit 1949 in der JKA (Japan Karate Association, unter Masatoshi Nakayama) organisierter moderner Wettkampfstil, der sich auf das Erbe Funakoshis beruft, ohne jemals dessen offizielle Unterstützung erhalten zu haben. Shotokan zählt zu den vier größten japanischen Seit neuerer Zeit auch von der SKI (Shotokan Karate International, Hirokazu Kanazawa) vertreten und in vielen Verbänden außerhalb Japans vor allem in Europa verbreitet. Die Technik des Stils basiert auf 25 Kata und betont tiefe Stände und kraftvolle, dynamische Technik.
Sukunai Hayashi-Ryu Dieser wichtige traditionelle okinawanische Shorin-Ryu-Stl geht auf Chotoku Kyan (1870-1945) zurück, der u.a. unter Matsumora, Matsumura, Oyadomari, Maeda und Yara lernte, und wird heute unter verschiedenen Bezeichnungen von seinen Schülern weitergeführt. Zu den wichtigsten Stilen, die aus Kyans Sukunai Hayashi hervorgegangen sind, gehören das Isshin-Ryu, das Shobayashi-Ryu, das Matsubayashi-Ryu und das Chito-Ryu.
Tozan-Ryu Dieser Begriff gilt als Stilbezeichnung für zwei verschiedene Karatesysteme:
1. Kaneshiro Tozan-Ryu: Der Stilgründer Kensei (Kinin) Kaneshiro war ein Schüler Chibanas (Kobayashi-Ryu) und später Mabunis (Shito-Ryu). Sein Tozan-Ryu basiert auf der Kombination von Shorin- und Shorei-Ryu und strebt heute die Verbreitung als Wettkampfsport an.
2. Kaneshima Tozan-Ryu: Ein traditioneller okinawanischer Stil von Shinsuke Kaneshima, der unter Toyama (sagenumwobener okinawanischer Meister), Shiroma und Motobu gelernt hat. Er verband in seinem Konzept Elemente und Formen sowohl aus dem Shorin wie auch aus dem Shorei und kombinierte sie mit konfuzianischem und Zen-buddhistischem Gedankengut.
Wado-Ryu „Der Weg des Friedens“ – japanischer Stil von Hironori Otsuka, einem Schüler Funakoshis. Er gilt als einer der vier großen japanischen Karatestile und basiert auf einem energieökonomischen Bewegungsprinzip. Häufige Ausweichtechniken sind stets verbunden mit gleichzeitigen Angriffen auf Vitalpunkte, die Ausführung der Kata zeichnet sich kurze Stellungen sowie durch Geradlinigkeit und Leichtigkeit aus. Der Stil ist heute vor allem in Japan sehr verbreitet, wo er von über einem Viertel aller Karateka ausgeübt wird, jedoch findet er auch zahlreichen Zuspruch in Amerika und Europa.

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